Darmstadt, 19.09.2018

Europa wählt Menschenwürde: Internationale Wochen gegen Rassismus im März 2019

Das vorgeschlagene Motto „Europa wählt Menschenwürde“ fand bei der Planungstagung am 17. September 2019 im Haus am Dom in Mainz breite Zustimmung. Es soll neben dem bisherigen Logo „100% Menschenwürde: Zusammen gegen Rassismus“ verwendet werden. 90 Teilnehmende aus dem Bundesgebiet und unterschiedlichen Arbeitsfeldern diskutierten Vorschläge für die UN-Wochen gegen Rassismus vom 11.-24. März 2019, die kurze Zeit vor den Europawahlen stattfinden.
Die Auftaktveranstaltung erfolgt am 11. März 2019 im Münchner Rathaus. Das zentrale Freitagsgebet findet am 15. März 2019 beim Verband Islamischer Kulturzentren (VIKZ) in Köln statt; weitere zentrale Veranstaltungen mit anderen Religionsgemeinden sind in Planung. Darüber hinaus sind gegenseitige Einladungen unterschiedlicher Religionsgemeinden vorgesehen. Botschafterin der Aktionswochen ist im kommenden Jahr Muhterem Aras, die Landtagspräsidentin von Baden-Württemberg.

Aktiv für Europawahlen
Thematisiert wurde, dass europafeindliche und nationalistische Parteien bei den Europawahlen besonders mobilisieren werden. Ausführlich beraten wurde darüber, ob und wie während der Aktionen gegen Rassismus auf die bevorstehende Europawahl aufmerksam gemacht werden kann. Es ist erforderlich, dass sich die Zivilgesellschaft für die Vielfalt in Europa einsetzt und für die Überwindung der Armut in und zwischen den europäischen Ländern. Die Vorstandssprecherin der Stiftung gegen Rassismus, Jagoda Marinic, hat sich besonders für Letzteres ausgesprochen. Es wurde vorgeschlagen, dazu eine Stellungnahme zu erarbeiten und bei Infoständen darüber mit der Bevölkerung ins Gespräch zu kommen. Europa ist mit Inhalten zu füllen. Die Kritik an der derzeitigen EU muss um neue Visionen ergänzt werden, die wieder stärkeren Zusammenhalt schaffen. Auch ist im Sinne der Stärkung der Demokratie dafür zu werben, an den Europawahlen teilzunehmen.

Solidarisch mit SCHULTER AN SCHULTER
Vorgestellt wurde das sich im Aufbau befindende Projekt „SCHULTER AN SCHULTER“ (SAS), das solidarische Initiativen mit den Opfern von rassistischen Anschlägen und Gewalt fördern will. Vor allem antisemitische und antimuslimische Straftaten sowie Angriffe auf Flüchtlinge haben ein erschreckendes Ausmaß angenommen. Täter dürfen nicht den Eindruck haben, dass menschenfeindliche Aktionen von der Bevölkerung akzeptiert werden. Bei jeder Form von Gewalt sind breite Solidarisierungen erforderlich. SAS gibt dafür Anregungen. Gegenwärtig werden bundesweit engagierte Personen gesucht die sich im Rahmen der neuen Initiative beteiligen: Jeder Bürger und jede Bürgerin, die nach Anschlägen oder Gewalttaten zu einer solidarisierenden Mitwirkung bereit sind, können Teil von „Schulter an Schulter“ werden. Zahlreiche Tagungsteilnehmende haben dafür ihre Bereitschaft erklärt.

Integration durch Sport und Schule
Der frühere DFB-Präsident und Initiator der Stiftung gegen Rassismus, Dr. Theo Zwanziger, hat die große Rolle des Sports für die Integration hervorgehoben. Sportliche Aktivitäten haben weiterhin einen hohen Stellenwert bei den Internationalen Wochen gegen Rassismus.
Mehr Aktivitäten sind insbesondere im schulischen Bereich erforderlich. Die Stiftung gegen Rassismus will dazu gemeinsam mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Anregungen erarbeiten.

Bei den UN-Wochen im März 2018 sind der Stiftung gegen Rassismus über 1.750 Veranstaltungen gemeldet worden. Dazu kamen 1.700 Freitagsgebete in Moscheen. Weltweit gibt es zu den UN-Wochen in Deutschland die meisten Veranstaltungen.

Pressemitteilung vom 19. September 2018: Planungstagung Internationalen Wochen gegen Rassimus 2019

Darmstadt, 26.03.2018

Internationale Wochen gegen Rassismus 2018: Die Zivilgesellschaft wird aktiver

Bei den Internationalen Wochen gegen Rassismus vom 12. bis zum 25. März 2018 gab es ein größeres Engagement als im Vorjahr. Über 1.750 Veranstaltungen wurden der Stiftung gegen Rassismus bundesweit gemeldet – so viele wie noch nie. Dazu kommen die nicht öffentlichen Aktivitäten sowie über 1.000 Freitagsgebete in Moscheen, die sich der Überwindung von Rassismus gewidmet haben. An zahlreichen dieser Freitagsgebete nahmen Bürgermeisterinnen, Bürgermeister oder Minister mit Ansprachen teil. Bundesweit erstmalig war der Besuch von Oberbürgermeister Ashok Sridharan in der Synagoge in Bonn, wo er anlässlich der UN-Wochen über den zunehmenden Antisemitismus sprach. An den vielfältigen Aktivitäten zu den Aktionswochen haben über 200.000 Menschen teilgenommen.

Zahlreiche Persönlichkeiten von „Prominent gegen Rassismus“ haben Veranstaltungen unterstützt, wie die Schriftstellerin Mo Asumang, der Fußballer Jimmy Hartwig und der Schauspieler Kai Schumann. Intensiv war das Gespräch der Botschafterin der Aktionswochen, Jana Pareigis, mit jungen Offizieren der Helmut Schmidt Universität der Bundeswehr in Hamburg. Große Beachtung fand die erstmalig erfolgte Ansprache des Direktors der jüdischen Gemeinden in Hessen, Daniel Neumann, bei einem Freitagsgebet mit 300 muslimischen Gläubigen in der Assadaka-Moschee in Raunheim/Hessen. Angesichts der in dieser Zeit brennenden Moscheen hat er einen Aufschrei in der Gesellschaft vermisst. Veranstaltungen bei der Bundeswehr, in Moscheen und Synagogen sollen in den nächsten Jahren verstärkt werden.

Eine große Zahl von Veranstaltungen wurde erneut mit Unterstützung von Kommunen durchgeführt. Mit über 140 Veranstaltungen gab es in Dresden die meisten Aktionen unter den deutschen Städten. Viele Mitglieder des Aktionsbündnisses, Sportvereine, Religionsgemeinden, Volkshochschulen, Gewerkschaften und Wohlfahrtsorganisationen haben sich beteiligt. Es gab Demonstrationen sowie Lichterketten und die Stadt Marl hat Gebäude als Zeichen gegen Rassismus bunt erleuchtet. Die Volkswagen AG hat wieder zahlreiche Projekte durchgeführt. Medien wie die Tagesschau/ARD und das ZDF haben umfangreiche Beiträge erstellt. Tageszeitungen wie die Süddeutsche Zeitung, Rundfunksender wie der SWR und Presseagenturen wie der epd haben mehrfach über Aktivitäten berichtet. Weniger Veranstaltungen als früher wurden aus dem schulischen Bereich gemeldet.

Die Veranstaltungen verliefen friedlich. Zu der Auftaktveranstaltung im Dresdner Rathaus haben zwar Pegida-Anhänger mobilisiert um den Ablauf zu stören, was ihnen auch kurz gelang. Doch durch das Engagement des Oberbürgermeisters und der 300 engagierten Dresdner verließen etwa 20 Pegida-Anhänger den Saal, andere blieben und haben später mit den Teilnehmenden diskutiert. In Apolda/Thüringen wurden Plakate der Stiftung gegen Rassismus heruntergerissen und zerstört.

„Europa hat keine Zukunft, wenn sich Rassismus und Nationalismus weiter ausbreiten. Schon jetzt hat der Brexit Europa geschwächt. Länder wie Dänemark, Polen, Tschechien, Ungarn oder Österreich sind durch rassistische Regierungen geprägt. Entscheidend ist nun, dass die Zivilgesellschaft gegen den Rassismus aufsteht. Die Europäische Union fördert vor allem die wirtschaftliche Zusammenarbeit. Ohne dem Rassismus in Europa entgegenzuwirken wird die weitere Zusammenarbeit scheitern und der Frieden gefährdet“ – so Jürgen Micksch, Vorstand der Stiftung, von der die Internationalen Wochen gegen Rassismus in Deutschland koordiniert werden.

Eine ausführliche Dokumentation der Aktivitäten wird von der Stiftung gegen Rassismus im Juli 2018 veröffentlicht. Die nächsten Internationalen Wochen gegen Rassismus finden vom 11. – 24. März 2019 statt.

Pressemitteilung vom 26. März 2018: Abschluss der Internationalen Wochen gegen Rassimus

Darmstadt, 20.03.2018

21. März: Internationaler Tag gegen Rassismus

Die Vereinten Nationen haben 1966 den 21. März zum Internationalen Tag gegen Rassismus ausgerufen. In Südafrika ist das ein gesetzlicher Feiertag, der zum Gedenken an das Massaker in Sharpeville eingeführt wurde. Weltweit gibt es an diesem Tag tausende von Veranstaltungen, viele davon in Deutschland. Diese Aktivitäten stärken eine vielfältige und offene Gesellschaft. Das ist dringend erforderlich.

Der amerikanische Präsident nutzte gezielt rassistische und nationalistische Parolen, um ins Amt gewählt zu werden. Seinen Kurs der Ausgrenzung setzt er im Weißen Haus fort. Der Brexit zeigt, dass die europäische Integration gefährdet ist. Rassistische Positionen haben sich in Dänemark, Polen, Tschechien Ungarn oder Österreich durchgesetzt. Universelle Menschenrechte werden durch Rassismus und Nationalismus abgebaut. Und die Gewalt nimmt zu.

„Dagegen können wir etwas tun. Die Zivilgesellschaft muss weltweit gegen Rassismus aufstehen. Menschenfeindliche Entwicklungen zerstören die Grundlagen des friedlichen Zusammenlebens. Wir dürfen uns nicht an die Toten im Mittelmeer oder brennende Synagogen, Kirchen und Moscheen gewöhnen. Erforderlich sind Kontakte und Kooperationen mit betroffenen Menschen, Zeichen der Solidarität auch durch prominente Persönlichkeiten sowie Medien, von denen die vielen positiven Bemühungen durch Berichte ermutigt werden“ – das betonte Jürgen Micksch, Vorstand der Stiftung gegen Rassismus, von der in Deutschland weit über 2.000 Veranstaltungen zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus koordiniert werden.

Pressemitteilung vom 20. März 2018: Internationaler Tag gegen Rassismus

Darmstadt, 16.03.2018

Rede von Daniel Neumann, Direktor des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen, zu den UN-Wochen gegen Rassismus am 16.03.2018 in der Raunheimer Assadaka-Moschee

Quo Vadis? Wohin gehst Du, Deutschland?
Eine Frage, die sich zunehmend aufdrängt. Beinahe täglich.
Schließlich vergeht kaum ein Tag, an dem es nicht irgendwo in diesem Land zu verbalen oder körperlichen Übergriffen, zu Angriffen, zu Gewalt gegen Muslime, Juden und andere Minderheiten kommt.

Mit Blick auf die Erfolge der AFD, die Renaissance rechten Gedankenguts, die sich in Wort, Schrift und Tat äußert, mit Blick auf die alltäglichen Diskriminierungen, mit Blick auf die Brandanschläge auf Moscheen oder Synagogen, auf Asylbewerberheime oder Flüchtlingsunterkünfte, mit Blick auf die wachsende Ablehnung und Verachtung von Minderheiten frage ich mich zunehmend, ob wir in den letzten 7 Jahrzehnten seit Ende des 2. Weltkriegs wirklich so wenig gelernt haben.

Mache ich mir zunehmend Sorgen um Deutschland. Und zwar nicht nur was den Umgang mit seinen Minderheiten angeht, sondern erst Recht mit Blick auf den Zustand seiner Mehrheit. Der schweigenden, der wegschauenden und der gleichgültigen Mehrheit.

Wo bleibt der breit angelegte Aufschrei aus der Bevölkerung?

Was muss noch passieren, bevor auch der Letzte aufwacht und begreift, dass Menschenwürde und Menschenrecht keine Frage von Herkunft, Hautfarbe oder Religionszugehörigkeit sind? Das sich hinter jedem Moslem, jedem Juden, jedem Sinti und Roma, ob Ausländer, Flüchtling oder Deutscher zuallererst ein Mensch verbirgt? Mich beschleicht mitunter das ungute Gefühl, dass viele diese Diskussionen gerne auf die Politik verlagern würden. Sollen doch die etablierten Parteien unsere offene und plurale Gesellschaft, unseren Rechtsstaat, unsere Demokratie verteidigen. Doch so funktioniert das leider nicht. Man kann gesellschaftliche Verantwortung nicht beliebig delegieren. Sich nicht aus der Affäre ziehen mit dem Hinweis, dass die Politik sich des Problems schon annehmen wird.

Sicher: Wir brauchen einen Schulterschluss mit der Politik im Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit.

Ohne eigenes Engagement allerdings, ohne zivilgesellschaftliche Allianzen, ohne einen breiten Konsens darüber, in was für einer Stadt, in was für einem Land, in was für einem Gemeinwesen wir morgen leben wollen, wird sich wenig ändern. Ganz im Gegenteil. Ohne einen vernehmbaren Aufschrei wird man sich langsam aber sicher an Übergriffe, Angriffe, Brandanschläge gewöhnen. Das gesellschaftliche Immunsystem wird ausgetrickst und reagiert nicht mehr auf das Außergewöhnliche, weil es längst gewöhnlich ist. Es reagiert nicht mehr auf Gefahren, weil es diese nicht mehr als gefährlich erkennt. Solange, bis das Abwehrsystem schließlich völlig zusammenbricht. Und die alltägliche Schande damit zum Normalfall wird. Weit ist es bis dahin jedenfalls nicht mehr.

Gleichzeitig bedarf es aber auch eines kritischen Blickes nach innen. Denn Antisemitismus, Verschwörungstheorien und antijüdische Vorurteile haben auch in der islamischen Gemeinschaft einen fruchtbaren Boden gefunden und viele Menschen infiziert.

Ich appelliere deshalb an Sie und an die gesamte muslimische Gemeinschaft: Lassen sie es nicht zu, dass der judenfeindliche Virus in ihren Reihen weiter gedeiht. Lassen Sie es nicht zu, dass der weit entfernte Nahostkonflikt unser friedliches Zusammenleben in diesem Land gefährdet. Lassen Sie es nicht zu, dass politische Differenzen unsere religiöse Nähe, unsere gemeinsamen Wurzeln und unseren Glauben an den einen und einzigen G“tt vergessen lassen. Lassen Sie das nicht zu!

Sondern helfen Sie dabei, judenfeindlichen Denkmustern und Haltungen mit aller Macht entgegenzutreten. Entschlossen und kompromisslos.
Zum Wohl unserer gemeinsamen Zukunft. Schließlich sind die Herausforderungen vor denen wir alle stehen enorm. Und mit gegenseitigem Misstrauen schwächen wir uns zuallererst selbst. Dabei brauchen wir unsere ungeteilten Kräfte im Kampf gegen den menschenverachtenden Hass, der uns erst spaltet, um uns anschließend alle – und zwar ohne Unterschied – ins Visier zu nehmen.

Denn machen wir uns nichts vor: Der Hass der radikalen Rechten, die Wut der Nationalisten und die Wucht der Populisten treffen uns alle. Und sie machen in letzter Konsequenz keinerlei Unterschied zwischen Religionszugehörigkeit oder Herkunft. Es braucht deshalb unsere vereinten Kräfte, um diesen Bedrohungen etwas entgegenzusetzen. Es braucht Juden und Muslime Seite an Seite, um ein Gemeinwesen aufzurütteln, dessen Immunsystem vor dem Zusammenbruch steht.

Es braucht den Schulterschluss mit Gleichgesinnten aus Politik und Zivilgesellschaft, um dumpfen Vorurteilen, um Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit entschlossen entgegenzutreten. Es braucht das Einstehen für den jeweils anderen, um die Freiheit unserer Religionsausübung zu bewahren und unsere Menschenwürde zu schützen. Und es braucht eine vertrauensvolle und enge Allianz, um unsere plurale und offene Gesellschaft vor den alltäglichen Angriffen zu bewahren.

Lassen Sie uns gemeinsam – Hand in Hand, Seite an Seite, Schulter an Schulter – für ein Deutschland streiten, in dem ein jeder seinen Platz findet. In dem ein jeder sicher, frei und ohne Angst leben kann. Gleichberechtigt und gleichverpflichtet. Unabhängig von Religion, Herkunft oder Hautfarbe.

Das Morgen beginnt jetzt. Fangen wir also an, bevor es zu spät ist.

Ich wünsche uns und Ihnen allen viel Kraft, G“ttes Segen und Shalom!

Rede von Daniel Neumann in der Raunheimer Assadaka-Moschee am 16. März 2018

Darmstadt, 16.03.2018

Hunderte Freitagsgebete zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus

Eine Antwort auf die antimuslimischen Anschläge

Die muslimischen Verbände in Deutschland empfehlen ihren Gemeinden, sich bei den Freitagsgebeten am heutigen 16. oder am 23. März 2018 mit Rassismus auseinanderzusetzen. Besonders aktuell ist das durch die antimuslimischen Anschläge der letzten Tage. Imame können sich dabei an Freitagspredigten orientieren, die für die gerade stattfindenden Internationalen Wochen gegen Rassismus verfasst wurden.

So heißt es in der Hutba (Freitagspredigt) von DITIB: „Jegliche Art und Weise von Rassismus ist im Islam zweifellos verboten, denn Rassismus vernichtet die Einheit und Solidarität der Gesellschaft, führt zu Unrecht und Ausbeutung …“

Von der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs wird hervorgehoben: „Es passt nicht zu uns als Umma [Gemeinschaft der Muslime], uns wegen unserer ethnische Zugehörigkeit anderen überlegen zu fühlen. Welche Folgen Rassismus in der jüngeren Geschichte für die Menschen hatte, wissen wir leider allzu gut. Auch heute ist Rassismus eine der größten Gefahren für den Frieden und die Zukunft der Menschheit. Insbesondere Muslime als religiöse Gemeinschaft werden oft zur Zielscheibe von Islamfeindlichkeit. Diese Feindschaft ist nichts anderes als eine Folge und ein Produkt von Rassismus.“

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland formuliert: „Unterschiede und Vielfalt sollen zum gegenseitigen Kennenlernen und Liebe zwischen den Menschen führen und nicht dazu dienen, Hass und Rassismus zu verbreiten… Wir fordern alle Gläubigen dazu auf, sich intensiv an den Aktivitäten gegen Hass und Rassismus zu beteiligen und Liebe und Frieden in der Gesellschaft und zwischen den Menschen zu stiften – unabhängig von Herkunft oder Religion, denn dies ist die Kernbotschaft unseres Glaubens.“

Die Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland führt anlässlich der Internationalen Wochen gegen Rassismus eigenständige Veranstaltungen durch und schreibt dazu: „Weltweit erstarken sowohl rechtspopulistische als auch extremistische Gedanken. Sowohl im Westen als auch im Osten herrscht ein gegenseitiger Hass auf die andere Seite. Viele Menschen fühlen sich dadurch verunsichert und bedroht in ihrer eigenen Freiheit. Statt Dialoge und Kommunikation gibt es Ausgrenzungen, Hass und leider auch Gewalt. Es wirkt wie eine neue Ära des Rassismus.“

Die vollständigen Texte der vorgeschlagenen Freitagspredigten finden sich auf den Homepages der islamischen Verbände.

Zu den Freitagsgebeten wird auch die Öffentlichkeit eingeladen. Zahlreiche Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeister nehmen daran teil, sprechen vor den Freitagsgebeten zu den Moscheegemeinden und solidarisieren sich mit den von Rassismus betroffenen Muslimen.

In der zum Zentralrat der Muslime gehörenden Assadaka-Moschee in Raunheim/Hessen findet am heutigen 16. März um 12:30 Uhr das bundesweite zentrale Freitagsgebet anlässlich der UN-Wochen gegen Rassismus 2018 statt. Vor dem Freitagsgebet sprechen Bürgermeister Thomas Jühe und Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrates der Muslime in Deutschland. Erstmalig spricht im Rahmen der UN-Wochen auch ein Vertreter des Judentums zu einer muslimischen Gemeinde: Daniel Neumann, der Geschäftsführer der jüdischen Gemeinden in Hessen. Um 11:30 Uhr findet dazu in der Moschee ein Pressegespräch statt.

Pressemitteilung vom 16. März 2018: Hunderte Freitagsgebete zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus

Darmstadt, 12.03.2018

Rede von Jürgen Micksch, Vorstand der Stiftung gegen Rassismus, bei der Auftaktveranstaltung zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus am 12. März 2018 im Neuen Rathaus in Dresden

Zuerst möchte ich den Engagierten der Stadt Dresden danken! Zum zweiten Mal gibt es hier über 120 Veranstaltungen. In keiner deutschen Stadt gibt es mehr Veranstaltungen zu den UN-Wochen. Das ist ein eindrucksvolles Zeichen für ein Dresden gegen Rassismus. Die Engagierten verdienen dafür einen Applaus!

Und das ist in diesem Jahr neu: Von allen Bundesländern gibt es in Sachsen, Bayern und NRW die meisten Veranstaltungen! Das macht Hoffnung. Wir wissen: Weiterhin treffen sich nicht weit von hier vor allem alte und frustrierte Männer. Das schöne Dresden sollte künftig nicht mehr mit dem Hass dieser Rassisten und Nationalisten in Verbindung gebracht werden!

Und schließlich: In Deutschland gibt es während der UN-Wochen die relativ und absolut meisten Veranstaltungen gegen Rassismus in Europa.

Das Krebsgeschwür Rassismus ist ein zentrales Zukunftsthema für Europa. Der auch durch rassistische Kampagnen verursachte Brexit hat schon jetzt Europa geschwächt. Rechtspopulistische Parteien und Bewegungen prägen Dänemark, Polen, Ungarn, Tschechien oder Österreich. Und ebenfalls Italien. In Deutschland gab es im Jahr 2017 über 2.200 tätliche Angriffe auf Geflüchtete, etwa 1.500 gemeldete Straftaten waren antisemitisch und über 1.000 antimuslimisch. Allein in den letzten Tagen gab es mehrere Anschläge auf Moscheen.

Etablierte und bewährte Parteien werden von rassistischen Bewegungen geradezu weggefegt. Und sie tun sich schwer mit Antworten, ja sie verdrängen diese Herausforderung.
In der Koalitionsvereinbarung der Großen Koalition werden die Begriffe Rassismus und rassistisch jeweils gerade einmal erwähnt. Begriffe wie Islamfeindlichkeit oder antimuslimischer Rassismus kommen überhaupt nicht vor. Dabei sind das die Themen, mit denen Rechtspopulisten die Wähler mobilisieren.

Europas Zukunft hängt nun vor allem von der Zivilgesellschaft ab. Die Zivilgesellschaft muss gegen Rassismus aufstehen. Dabei ist ein langer Atem erforderlich.

In den UN-Wochen sind vielfältige Aktivitäten möglich, von denen ich einige nenne:

– Am 21. März ist der Internationale Tag gegen Rassismus. Die Städte Fulda und Landau demonstrieren an diesem Tag mit einem Lichtermeer aus Kerzen für Vielfalt und gegen Rassismus. Andere Städte könnten das aufgreifen oder am 17. März beim europäischen Marsch gegen Rassismus teilnehmen!
– Religionsgemeinden können über die Gleichwertigkeit von Menschen predigen. Über 1.000 muslimische Gemeinden werden das bei den Freitagsgebeten in diesen Wochen tun. Und sie laden dazu Nicht-Muslime ein. Juden und andere haben diese Einladungen angenommen und sprechen während der Aktionswochen zu den Moscheegemeinden. Auch Kirchengemeinden können solche Einladungen aussprechen.
– Bei Sportveranstaltungen während der UN-Wochen erfolgen Stadiondurchsagen für Vielfalt und gegen Rassismus. Das fand bisher immer große Beachtung.
– Unternehmer und Gewerkschafter können sich mit den Worten „Ich bin gegen Rassismus“ abbilden lassen. Der Volkswagen-Chef Matthias Müller hat letztes Jahr weltweit die Mitarbeitenden dazu aufgefordert, das auch zu tun.
– Medien können ausführlich über die Veranstaltungen in über 300 Orten berichten. Das macht denen Mut, die sich für Vielfalt und gegen Rassismus einsetzen.
– Kommunen können ihre eigenen Wochen gegen Rassismus ausrufen, wie z.B. Nürnberg, Münster oder Lüneburg.
– Die Bundeswehr führt in diesem Jahr erstmals eine Veranstaltung durch – das ist ein erfreulicher Beginn.
– Politische Parteien können mit der Zivilgesellschaft darüber reden, was sie gemeinsam für Vielfalt und gegen Rassismus tun können.
– Wo es zu Anschlägen gegen Flüchtlinge, Muslime oder Juden kommt, da sind öffentliche Zeichen der Solidarität zu setzen.
– Es ist möglich, zu einer der über 2.000 Veranstaltungen während der Aktionswochen zu gehen.
– Doch was gar nicht geht: Nichts zu tun!

Die Internationalen Wochen mit über 70 bundesweiten Kooperationspartnern sind ein Höhepunkt im Jahr. Aber zwei Wochen reichen inzwischen nicht mehr aus. Das Jahr hat 12 Monate!
Jede und jeder kann etwas für den Frieden, die Menschenwürde und Europa tun: Rassisten und Nationalisten zerstören diesen Frieden.
Von Dresden wollen wir heute das Signal aussenden: Rassismus hat in Deutschland keinen Platz!

Rede von Jürgen Micksch am 12. März 2018: Auftaktveranstaltung IWgR18 in Dresden

Darmstadt, 01.03.2018

Internationale Wochen gegen Rassismus 2018: Die Zivilgesellschaft muss aufstehen

Vom 12.- 25. März 2018 finden in diesem Jahr die Internationalen Wochen gegen Rassismus statt. Wie im Jahr 2017 wird bundesweit mit über 2.000 Veranstaltungen gerechnet. Das Motto heißt:
„100 % Menschenwürde. Zusammen gegen Rassismus“

„Ein rassistisches Europa ist ohne Zukunft. Schon jetzt sind Länder wie Dänemark, Ungarn, Polen, Tschechien oder Österreich durch Rassismus geprägt. Und in Deutschland gab es im Jahr 2017 über 2.200 tätliche Angriffe auf Geflüchtete; etwa 1500 gemeldete Straftaten waren antisemitisch motiviert und über 1.000 antimuslimisch. Die Überwindung von Rassismus darf nicht nur Politikern überlassen werden. Die Zivilgesellschaft muss aufstehen. Schulen, Universitäten, Sportvereine, Kommunen oder Religionsgemeinschaften sind zum Engagement herausgefordert“ – so Jürgen Micksch, Vorstand der Stiftung gegen Rassismus.

Die UN-Wochen werden in Deutschland von der Stiftung für die Internationalen Wochen gegen Rassismus koordiniert. Die bundesweite Auftaktveranstaltung findet am 12. März 2018 um 18 Uhr im Plenarsaal des Neuen Dresdner Rathauses statt. Zu den Rednern gehören der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer und Oberbürgermeister Dirk Hilpert. Hauptthema des Eröffnungsabends ist die Islamfeindlichkeit. Allein in Dresden finden in diesem Jahr über 120 Veranstaltungen während der bundesweiten Aktionswochen statt.

Viele Moscheegemeinden laden am 16. März 2018 zwischen 12 und 13 Uhr zu Freitagsgebeten ein, deren Ansprachen sich der Überwindung von Rassismus widmen. Bei der zentralen Veranstaltung in der Assadaka Moschee in Raunheim/Hessen spricht erstmals am 16. März 2018 um 12.30 Uhr ein jüdischer Vertreter zu einer Moscheegemeinde. Neben Daniel Neumann, dem Geschäftsführer der jüdischen Gemeinden in Hessen, reden auch Bürgermeister Thomas Jühe und der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek.

Die Bundeswehr führt zum ersten Mal innerhalb der Aktionswochen eine Veranstaltung durch: Am 22. März 2018 um 14 Uhr findet in der Helmut Schmidt Universität in Hamburg eine Filmvorführung mit anschließender Diskussion zum Rassismus gegenüber Schwarzen statt. Referentin ist Fernsehmoderatorin Jana Pareigis, die diesjährige Botschafterin der UN-Wochen gegen Rassismus.

Der bundesweite Veranstaltungskalender der Stiftung gegen Rassismus enthält weitere Veranstaltungen unter www.internationale-wochen-gegen-rassismus.de/events/. Wünschenswert sind Medienberichte vor Ort.

Pressemitteilung vom 01. März 2018: IWgR2018 – Die Zivilgesellschaft muss aufstehen

Darmstadt, 24.03.2017

Rekord-Beteiligung bei den Internationalen Wochen gegen Rassismus 2017

Über 2.000 Veranstaltungen – noch nie gab es in Deutschland so viele Aktivitäten zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus wie in diesem Jahr. Europaweit ist Deutschland damit das Land mit den meisten Veranstaltungen zu den Aktionswochen.

„Beachtlich ist die intensive inhaltliche Auseinandersetzung mit Themen des Rassismus. Menschen spüren, dass sie etwas gegen Rassismus unternehmen müssen und dass sie dabei auch erfolgreich sein können. Rassismus und Nationalismus gefährden die Demokratie, die Menschenrechte, den Zusammenhalt in Europa und den Frieden.“ – so Jürgen Micksch, Vorstand der Stiftung gegen Rassismus.

Über 1.700 Veranstaltungen sind der Stiftung gegen Rassismus gemeldet worden. Dazu kommen 600 Freitagsgebete in Moscheen, bei denen die Überwindung von Rassismus thematisiert worden ist und viele nicht an den Veranstaltungskalender gemeldete Aktivitäten. Die Veranstaltungen waren eine bunte Mischung aus Diskussionen, Filmvorführungen, Workshops, Vorträgen und Lesungen, über das gesamte Bundesgebiet verteilt. Vielfach wurde das Motto „100% Menschenwürde. Zusammen gegen Rassismus“ aufgegriffen. Über 100.000 Personen haben bei den Aktivitäten teilgenommen. Bemerkenswert waren die vielen „eigenen“ Wochen von Städten und Kommunen. Bei zwei von drei Veranstaltungen waren Kommunen beteiligt. Über 100 Veranstaltungen gab es allein in Karlsruhe und fast 100 waren es in Dresden. Knapp 20 % der Veranstaltungen befassten sich mit den Themen Flucht und Asyl. Erfreulich war auch das Engagement von Firmen wie der Volkswagen AG, die eigenständige Programme entwickelt und weltweit verbreitet hat.

Erstmals wurde das Projekt „Prominent gegen Rassismus“ durchgeführt, bei dem sich bekannte Persönlichkeiten gegen Rassismus positionieren. In diesem Rahmen fanden z.B. Schulbesuche, Freitagsgebete, Diskussionen und Filmvorführungen statt.

„Gerade im Jahr der Bundestagswahl ist die Zivilgesellschaft gefragt. Rassismus existiert in der Mitte unserer Gesellschaft – das dürfen wir nicht einfach so hinnehmen. Mehr als 1000 Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte dürfen uns nicht zur Ruhe kommen lassen. Wenn es künftig Angriffe z.B. auf Flüchtlingswohnheime, muslimische und jüdische Menschen, Sinti und Roma oder Schwarze gibt, sind öffentliche Proteste erforderlich. Die Mehrheit der Bevölkerung lehnt Rassismus und Gewalt ab, das muss in die Öffentlichkeit transportiert werden.“ – so Jürgen Micksch abschließend. In diesem Jahr fanden die Internationalen Wochen gegen Rassismus in Deutschland vom 13.-26. März 2017 statt. Sie werden von der Stiftung für die Internationalen Wochen gegen Rassismus (kurz: Stiftung gegen Rassismus) koordiniert.

Pressemitteilung vom 24. März 2017: Rekord-Beteiligung bei den Internationalen Wochen gegen Rassismus 2017

Darmstadt, 28.02.2017

Prominent gegen Rassismus: VW-Vorsitzender Matthias Müller fordert Aufstand gegen Hass

„Immer mehr Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens unterstützen die Initiative `Prominent gegen Rassismus ´. Während der UN-Wochen gegen Rassismus gehen sie in Schulen oder zu lokalen Veranstaltungen, um gegen Menschenfeindlichkeit Gesicht zu zeigen. Damit wird das Engagement Tausender Ehrenamtlicher ermutigt. Zusammen ist es möglich, Rassismus und Nationalismus zu überwinden, die unsere Demokratie und Europa gefährden“ – so Jürgen Micksch, Vorstand der Stiftung gegen Rassismus.

Das Projekt „Prominent gegen Rassismus“ wird in diesem Jahr erstmals durchgeführt und wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“. Bisher haben sich 40 Prominente dazu bereit erklärt, die UN-Wochen gegen Rassismus persönlich zu unterstützen.

Pressemitteilung vom 28. Februar 2017: Prominent gegen Rassismus

Darmstadt, 20.01.2017

Prominente gegen Rassismus

Seit heute regiert ein amerikanischer Präsident, der bei einem rassistischen Wahlkampf erfolgreich war. Großbritannien verlässt nach der rassistisch geprägten Brexit-Kampagne die Europäische Union. In vielen europäischen Ländern, auch bei uns in Deutschland, sind nationalistisch und rassistisch ausgerichtete Parteien im Aufwind.

Eine Antwort darauf ist die Ausweitung des Engagements gegen Rassismus in allen Bereichen unserer Gesellschaft. Von der Stiftung gegen Rassismus wurde daher das Projekt „Prominent gegen Rassismus“ ins Leben gerufen. Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens engagieren sich bei den Internationalen Wochen gegen Rassismus in Schulen und auf lokalen Veranstaltungen, um ein Zeichen gegen Menschenfeindlichkeit zu setzen.

Pressemitteilung vom 20. März 2017: Prominente gegen Rassismus